Wo sich Hahn und Hexe gute Nacht sagen.


Ostern steht an und überall in Deutschland werden wohl fleißig Eier bemalt. So auch in Schweden, allerdings wird hier die Farbe gleich noch auf das Gesicht verteilt.

Warum?

Damit die Wangen der påskkärringar gleich mit schön rosig werden!

In Schweden ist es Tradition, sich an Ostern als Hexe zu verkleiden. Mit Kopftuch, Schürze, Kleid und Körbchen (oder einem Kaffeekessel) wird um die Häuser gezogen und fleißig Süßigkeiten eingesammelt. Jungs gehen in alten Hosen und Schnurrbart oder eben im gleichen Kostüm auf godis -Jagd. Man ist ja schließlich im gleichberechtigten Schweden.

Dieses frühlingshafte Halloween existiert in Schweden schätzungsweise seit 1800 und findet meist am Gründonnerstag in ländlicheren Gegenden Schwedens statt. Aber auch am Ostersonntag können die kleinen Osterhexen noch an der Tür klingeln: Frohe Ostern wird gewünscht und besonders Eifrige überreichen selbstgebastelte Osterkarten. Ob wohl jemand bei mir vorbeikommt?

Auch wenn es wohl keine tricks gibt, sondern nur treats, habe ich vorsichtshalber ein paar lösgodis im Haus.

Die Tradition entwickelte sich in Westschweden. Angeblich fliegen die Hexen am Gründonnerstag zum Blåkulla, dem schwedischen Äquivalent zum deutschen Blocksberg. Gefeiert wird hier aber genauso wild, nur eben schon etwas früher als in Deutschland.

Ob bei diesem Fest auch der Osterhahn zugegen ist, ist noch nicht geklärt. Dass er jedoch derjenige ist, der an Ostern die Eier bringt, ist sonnenklar.

Dies ist bei genaurem Hinsehen sogar logischer als der deutsche Osterhase. Abgesehen davon, dass die Verbindung Hahn-Ei etwas natürlicher daherkommt, ist diese Tradition direkt mit dem christlichen Glauben verbunden: So sagte wohl einst Jesus zu seinem Jünger Petrus, dass dieser ihn dreimal verleugnen würde, ehe der Hahn am Morgen kräht. So wurde der Hahn zum Symbol der Wachsamkeit und zum Zeichen fürs Jesus‘ Tod/Auferstehung.

Am Ende dieser Karriereleiter steht nun auch das Eier-Verstecken in Schweden.


Über Marlene

Im Gegensatz zu Berlin, riecht es in der Ubahn in Stockholm nach Zimtschnecken. Ein Grund meine Wahlheimat zu verlassen und wieder gen Norden zu ziehen. Zur Zeit wohne ich in Malmö mit Sicht auf Kopenhagen und schreibe über Film, Musik und Kultur.

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