NORĐAN GABEN EINDRUCKSVOLLES KONZERT IN BERLIN


Was auf den ersten Blick als ungleiches Paar anmutet, entpuppt sich als perfekt aufeinander abgestimmtes Duo auf der Bühne: die färöische Geigerin Angelika Nielsen (31) und der Berliner Harfenist Thomas Loefke (56). Gemeinsam nennen sie sich Norðan – färöisch für „aus dem Norden.“ Am 15. März gaben sie in Berlin das Abschlusskonzert ihrer zehntägigen Deutschland-Tour.

Das Interieur des denkmalgeschützten Labsaals am nördlichen Stadtrand Berlins erinnert an einen prächtigen Tanzsaal aus dem 19. Jahrhundert. Und so erwies sich das historische Gebäude inmitten eines ruhigen Naturschutzgebiets als idealer Veranstaltungsort für das Abschlusskonzert des deutsch-färöischen Duos Norðan.

Angelika Nielsen und Thomas Loefke verbanden auf eine einzigartige – und oftmals berührende – Art und Weise eigene Kompositionen mit traditioneller Musik von den Färöern und von Irland – ein Land, mit dem Loefke musikalisch seit Jahrzehnten viel verbindet. Mit Harfe, Geige und großflächigen Naturfotografien ließen Norðan das faszinierende Inselreich im Nordatlantik, die Färöer, lebendig werden. Mehrere hundert Meter lange Steilküsten, grüne Fjorde und Berge, faszinierende Licht- und Farbwechsel sowie das unberechenbare Wetter bestimmen die Atmosphäre der „Schafsinseln“, wie die Färöer in der Landessprache wortwörtlich heißen, und das setzten Nielsen und Loefke musikalisch perfekt um. Kein Wunder, dass der Labsaal bis auf den letzten Platz voll war und sogar nachträglich Stühle in den Konzertraum gebracht werden mussten.

Angelika Nielsen wurde 1983 in Vestmanna auf den Färöern geboren. Aufgewachsen ist sie in einer Familie, in der sowohl klassische als auch traditionell färöische Volksmusik eine große Rolle gespielt hat. So kam es nicht von ungefähr, dass sie dazu entschied, ihr Leben ganz der Musik zu widmen und Musik zu studieren. Heute ist Angelika Nielsen die unbestrittene Nummer eins auf ihrem Instrument auf den Färöern. Die Mutter eines Sohnes spielt im Sinfonie Orchester der Färöer, in der Folkgruppe „Spælimennir“ und in der der Jazzformation „Yggdrasil“, die kürzlich auf den Faroese Music Awards den Preis als beste Musikgruppe des Jahres gewann. Ihre eigene Band heißt Kvonn.

Thomas Loefke studierte in Dublin und Berlin. Sein Handwerk lernte er bei Irlands führenden Harfenistinnen Máire Ní Cháthasaigh, Helen Davies und Aine Ní Dhúill. Seit 1984 unternahm er mehrere Tourneen mit eigenen Kompositionen. 1992 erschien die erste CD: „New Music for Celtic Harp“. Das zweite Album „Norland Wind“ erschien auf dem irischen Toplabel Celtic Heartbeat. Neben den Touren mit Norland Wind arbeitet er auch als Solist und in Projekten mit der irischen Riverdance-Geigerin Máire Breatnach, dem amerikanischen Duo Acoustic Eidolon und Pianist Lutz Gerlach. Die Färöer bereiste Loefke erstmals vor 18 Jahren, und war seitdem jedes Jahr dort. Schon bei seinem ersten Besuch traf er auf den färöisch-dänischen Komponisten Kristian Blak, der 1977 das bedeutende Musiklabel Tutl gründete. Bis heute verbindet beide eine enge Freundschaft. Angelika Nielsen, die sich als Musiktalent schon immer im Musikerkreis um Kristian Blak befand, kennt Loefke seit ihrer Jugend. Im Laufe der Zeit haben beide immer mal miteinander gespielt – mal mit weiteren Musikern zusammen, mal zu zweit. 2012 spielten Loefke und Nielsen ein gemeinsames Konzert im entlegenen Trøllanes in den färöischen Nordinseln. Ein Musikerfreund aus Tübingen schnitt das Konzert mit und war von der Aufnahme derart angetan, dass er dem ungleichen Paar vorschlug, eine gemeinsame CD aufzunehmen. Gesagt, getan: 2013 gründeten Loefke und Nielsen das Duo Norðan. Mitte 2014 erschien ihr Debütalbum „North Atlantic Soundscapes“ auf Tutl und Laika Records. Gemeinsam haben Loefke und Nielsen einige Konzerte in Deutschland und den Färöern gegeben. Im August stehen fünf Konzerte auf den Färöern an: auf den Inseln Nólsoy und Hestur sowie in Tórshavn und Gjógv.


Über Stephan

Mit 15 stieß Stephan zufällig auf eine Broschüre über die Färöer-Inseln. Ein kurzes Herumblättern genügte, und es war um ihn geschehen. Neben den Färöern hat der 35-Jährige, der hauptberuflich als Redakteur in einem medizinischen Fachverlag arbeitet und früher mal Krankenpfleger war, auch eine ausgeprägte Faszination für die anderen nordischen Ländern, momentan besonders für Finnland.

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