Nørds meet Alexander von www.inReykjavik.is


Wir treffen auf Alexander, der den großen Schritt nach Island gegangen ist. Er bietet heute dort Touren an und erzählt uns nun über seine spannende Lebensreise nach Island.


 

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Lieblingsland: Island
www.inReykjavik.is

Bitte erzähle uns kurz etwas über dich
Alexander: Geboren 1964 in Stuttgart, aufgewachsen in Pforzheim, Zivildienst und Studium (Germanistik und Neuere Deutsche Literaturwissenschaft) in Freiburg i.Brsg., danach noch an der Rijksuniversiteit Utrecht (ab 1990). Gründete dort mit Sabine Burger ein Übersetzungsbüro und einen Verlag, wohne seit Herbst 2010 in Island. Außerdem habe ich als (Ko-)Autor mehrere Bücher geschrieben und fotografiert, vor allem Reiseführer und zum Zweitsprachenerwerb.
Nachdem Sabine und ich den CityTrip Reykjavík für den Reise Know-How Verlag geschrieben hatten, hatten wir den Wunsch, noch mehr über die Stadt und ihre Umgebung los zu werden, und so entstand www.inReykjavik.is, auf dem in der Zwischenzeit fast 300 Artikel mit mehr als 1500 Fotos über Land und Leute stehen.

Du hast uns erzählt dass dich und Sabine die Übersetzung von nordischen Krimis nach Island zog. Wie kam es genau dazu?
Alexander: In Holland angekommen, habe ich zusammen mit Sabine 1990 zunächst ein Übersetzungsbüro, und 1995 dann einen Verlag gegründet. Dort haben wir als Schwerpunkt Krimis und Romane aus den nordischen Ländern verlegt. Unter anderem auch aus Island, von Arnaldur Indriðason, Auður Jónsdóttir, Krístin Marja Baldursdóttir und Viktor Arnar Ingólfsson. Bei Treffen auf den verschiedenen Buchmessen meinten die Leute des isländischen Verlags, ich sollte doch unbedingt mal nach Island kommen, mir würde es da sicher gefallen. Also gingen wir 2004 zum ersten Mal nach Island: Es war Mai, es hatte 4°C, es war grau, es hat nicht zu knapp horizontal geregnet – und wir fanden es beide sofort einfach nur klasse. Ein halbes Jahr wurde ich dann als Verleger auf das Internationale Literaturfestival in Reykjavík eingeladen. Und im Februar darauf sind wir schon wieder hin. Seitdem flogen wir zweimal im Jahr, blieben immer länger, und dachten dann, wir wissen jetzt soviel über die Stadt, wir könnten auch einen Reiseführer schreiben. Und so haben wir bei unserem Verleger Peter Rump vom Reise Know-How Verlag, für den wir auch schon vorher u.a. Reiseführer geschrieben haben, ob er an Reykjavík interessiert wäre. Für die Recherchen blieben wir zweimal sechs Wochen hier, was ohne die Unterstützung von Freunden nicht möglich gewesen wäre. Dann haben wir gemerkt, wir fliegen nicht mehr nach Holland zurück, sondern wir verlassen Island. Und so haben wir das ganze umgedreht. Auch wenn wir in der Zwischenzeit nicht mehr zusammenwohnen, so arbeiten wir doch immer noch zusammen und wohnen beide jetzt schon mehr als vier Jahre in Reykjavík.

Wie gut bist du mit den Einheimischen in Kontakt? Fühlst du dich integriert?
Alexander: Zwei Dinge haben uns hier sehr geholfen: Zum einen sind wir in jungen Jahren schon mal ins Ausland umgezogen. Man lernt also, auf bestimmte Dinge zu achten, erkennt Mechanismen vielleicht eher als wenn man zum ersten Mal ins Ausland zieht, weiß wie es ist, wenn man sich alles von der Pike auf neu erarbeiten muss.

Zum anderen hatten wir das Glück, dass wir als Verleger über die kulturelle Schiene sozialisiert wurden. Wir lernten also von Anfang an Schriftsteller, Verleger, Künstler, Fotografen, Musiker kennen, noch bevor wir überhaupt hierherzogen. Und als wir den Reiseführer schrieben, war jeder, der ein Laden, Restaurant, Hotel, Guesthouse hatte, froh, mit uns reden zu können, schließlich wollten sie mit ihrem Unternehmen gerne ins Buch. Und das gilt natürlich auch für den Reiseführer InselTrip Island, den ich gerade geschrieben habe.Wenn man hier wohnt, ist es natürlich noch mal etwas anderes. Als Ausländer erlebt man jeden Tag wieder spannende Dinge, nichts ist mehr selbstverständlich. Ich lebe sehr gerne hier, habe wundervolle Freunde, ein kleines Büro in einem alten Kohlekraftwerk, in dem alle möglichen Kreativen untergebracht sind und fühle mich wohl.

Du bietest in Island Führungen für Touristen an. Mit welchen Vorurteilen hast du zu kämpfen und was ist vielleicht eine völlig neue Erfahrung wenn man eine Islandreise planen möchte?
Alexander: Ich biete (mehrtägige) Touren nur auf Anfragen an, obwohl ich sie sehr gerne organisiere und durchführe. Dabei handelt es sich um Reisen für Unternehmer kleinerer und mittlerer Unternehmen, sowie um eine Gruppe von Freunden, die Natur und Kultur erleben möchten, deutsche Journalisten oder auch um Gruppen, die der Spiritualität wegen nach Island kommen. Ich stelle die Reisen immer individuell nach den Wünschen der Reisenden zusammen.

Was ich selbst entwickelt habe: Stadtspaziergänge entlang der Orte, die in den Erlendur-Büchern von Arnaldur Indriðason eine Rolle spielen. So lernt man die nördlichste Hauptstadt der Welt noch einmal anders kennen und rückt die Fiktion des Kriminalromans näher an die Wirklichkeit der Stadt von früher und heute.

Außerdem starte ich an Ostern mit einem neuen kulturellem Angebot im Rahmen der Reykjavík Unesco – Literaturstadt: WordSound / WortKlang bietet ein Programm wechselnder isländischer Autoren und Musiker, die aus ihren Werken lesen und ihre Musik spielen, auf Isländisch und Englisch, bzw. Isländisch und Deutsch. Eine Herausforderung bleibt, Reisende davon zu durchdringen, dass Achtung und der Respekt vor den Naturgewalten in Island oberstes Gebot. Das ist oft schwierig zu vermitteln, da man als Mitteleuropäer einfach noch kein Konzept von dem hat, welche Kräfte die Natur hier zu Land, zur See und in der Luft entwickeln kann.

Das raue Klima hat aber auch seine charmanten Seiten. Immer wieder schön zu sehen, wenn Leuten die Kinnlade runterfällt, wenn ich ihnen erzähle, dass ich fünfmal die Woche, auch im Winter, schwimmen gehe – im Freibad. Wenn sie sich dann doch noch trauen, fühlen sie am eigenen Körper, wie wunderbar erholend es ist, im warmen Wasser zu schwimmen oder zu sitzen und sich den Kopf vom Schnee berieseln zu lassen. Und: In Island lernt man im Hier Jetzt zu sein. Denkt man, man könnte dieses oder jenes Motiv vielleicht nachher noch fotografieren, hat man oft Pech: Das Licht ist anders, Wolken sind plötzlich aufgezogen, es hat angefangen zu regnen.

In deutschen Medien ist immer wieder von der sogenannten „Elfenbeauftragten“ zu lesen. Wie wird dieses „Phänomen“ in Island selbst wahrgenommen und wie stehst du selbst zum Thema Mythen und Sagen?
Alexander: Also, um mit dem Mythos ein für allemal aufzuräumen: Es gibt keine Elfenbeauftragte. Das ist schlicht und ergreifend eine Zeitungsente, die sich einfach schon seit langer Zeit hartnäckig hält.
Es kommt aber durchaus vor, dass Unternehmen oder auch das Straßenbauamt die Expertise von Leuten einholt, die mit dem Huldufolk, dem verborgen Volk (darunter versteht man in Island alle nicht sichtbaren Wesen; Elfen und Trolle sind dabei nur zwei Spezies) in Kontakt stehen. Dies wird hier durchaus ernstgenommen. Vor allem, wenn bei Straßen- oder Hausbauten auf einmal Unglücke geschehen. Das kann man dann an der Strassenführung sehen, oder das bestimmte Hausnummern fehlen – die betreffenden Hausnummern werden dann freigelassen, für das Haus der Elfen im Felsbrocken (Elfen und anderes Huldufolk leben im Stein).
So ging noch letztes Jahr die Sprengung für einen Tunnelbau in den Westfjorden sprichwörtlich nach hinten los: Anstatt dass der Fels gesprengt wurde, hat die Detonation die Fensterscheiben im anliegenden Dorf zersplittern lassen. Daraufhin ist eine Frau, die mit dem Huldufolk in Kontakt steht, gemeinsam mit einem Priester zu dem Felsen gegangen, hat mit den dortigen Wesen gesprochen, haben ausgehandelt, dass das Huldufolk umziehen wird, so dass der Tunnel etwas später als geplant, aber immerhin gebaut werden kann.
Ich bin, wie auch Sabine, ausgebildeter Aura-Healer und -Reader und Klangtherapeut. Die spirituelle Kraft, ist definitiv ein Teil an Island, der mich sehr fasziniert. Hier gibt es noch soviel unberührte Natur, Kraftpunkte, Ley-Linien und eben Elementarwesen. Eine Reise nach Island bedeutet für mich eine Reise nach außen (in das andere Land), aber mehr noch als anderswo auch eine Reise nach innen. Für die/denjenigen, der dafür offen ist, oft ein reiches und nachhaltiges Erlebnis.

Welches Isländische Wort, welchen Satz möchtest du uns noch auf den Weg mitgeben? Oder kennst du einen besonderen Ausdruck, den man kennen sollte, wenn man nach Island reisen möchte?
Alexander: Außer dem in den nordischen Ländern ja viel eher verwendeten Danke („takk fyrir“), ist die Aussage „Þetta retast!“ wohl die, die die Isländer sehr gut charakterisiert und am besten den Unterschied zu Deutschen angibt. Übersetzen kann man das mit „Es wird schon!“ oder „Alles kommt gut!“ und wird besonders gern dann verwendet, wenn es noch überhaupt nicht danach aussieht. Der strukturierte und der Vorausplanung zugetane Deutsche wundert sich dann und geht dann gerne zur Schnappatmung über. Tatsächlich regeln Isländer mit ein paar Telefonaten, Freunden, die aushelfen und etwas Spontaneität Dinge gerne kurzfristig – Þetta retast, halt.

Vielen Dank für deine Zeit!

Gerðu svo vel! – Bitteschön!

Photos: Alexander Schwarz

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