Guðrið Hansdóttir – Neuer Kontrast mit zarten Synthiklängen | Interview


Verträumte, verhalten melancholische Töne mit einem Hauch Country-Gefühl, neuerdings kontrastiert mit zarten Synthieklängen – so lässt sich die Musik der färöischen Singer-Songwriterin Guðrið Hansdóttir am besten beschreiben. Anlässlich des Release einer Vinyl-EP und ihrer Deutschland-Tour im März hat die charismatische Ausnahmemusikerin vom entlegenen Färöer-Archipel Stephan ein exklusives Interview gegeben.


 

Guðrið, Anfang März veröffentlichst du eine Vinyl-EP mit zwei neuen Songs. Wie ist es zu dieser unkonventionellen Idee gekommen?
Guðrið: Das war die Idee meines deutschen Labels „Beste! Unterhaltung“. Sie haben bei anderen Künstlern damit bereits gute Erfahrungen gemacht, und Vinyl liegt derzeit ja eh voll im Trend. Außerdem wollten wir gerne anlässlich meiner Deutschland-Tour, die am 5. März in Bremerhaven startet, neue Musik anbieten.

Hast du die Songs der EP geschrieben?
Guðrið: Beim ersten Song – „Living with you is a lot like dying“ – habe ich die Melodie geschrieben und der Text stammt von Petur Pólson, einem sehr begabten färöischen Musiker und Lyriker. Eines Tages hatte er mir die Zeilen rübergeschickt und gefragt, ob ich damit etwas anfangen könne. Ich war sofort Feuer und Flamme. Seine Worte sind so ausdrucksstark und kraftvoll.

Und der zweite Song?
Guðrið: „Animal“ habe ich selbst geschrieben. Der Song beschreibt das Gefühl, auf etwas zu warten, das wahrscheinlich nie eintreffen wird. Die EP wurde übrigens von Mikael Blak produziert. Die Songs aufgenommen hat Benjamin Petersen im Tonstudio Bunkarin in Tórshavn, der Hauptstadt der Färöer.

Haben die Songs eine bestimmte Bedeutung für dich?
Guðrið: Meine Songs haben alle eine bestimmte Bedeutung für mich. Wenn ich einen Song schreibe, geht es immer um ein bestimmtes Ereignis oder bestimmte Gefühle, die ich selbst erlebt habe. Auch wenn ich den Text von „Living with you is a lot like dying“ nicht selbst geschrieben habe, kann ich mich in den Worten selbst komplett wiederfinden. Genauso, wie Petur es beschreibt, habe ich mich in einer bestimmten Zeitspanne meines Lebens gefühlt.

Die Songs der EP klingen Synthie-lastiger als früher. Ist das der Einfluss von Janus Rasmussen, mit dem du seit rund zwei Jahren im Rahmen des Elektropop-Projekts Byrta zusammenarbeitest?
Guðrið: Um ehrlich zu sein, habe ich schon immer total auf eingängige Popmusik gestanden. Und es macht mir neuerdings richtig Spaß, Musik zu schreiben, die mehr in Richtung Pop gehen und sich insofern von meinen früheren Arbeiten abheben. Hinzu kommt sicherlich, dass ich durch die sehr erfolgreiche und fruchtbare Arbeit mit Janus sehr stark von ihm beeinflusst bin. Das liegt auf der Hand.

Ist die EP als Vorgeschmack auf ein neues Album zu verstehen?
Guðrið: Nein, die EP ist ein eigenes Projekt für sich. Die beiden Songs werden nirgendwo sonst veröffentlicht.

Arbeitest du an einem neuen Album?
Guðrið: Ja, wir werden im Sommer mit den Arbeiten am neuen Album beginnen. Voraussichtlich Anfang 2016 wird es erscheinen. Daran denke ich momentan aber noch nicht. Zunächst einmal freue ich mich auf meine Deutschland-Tour und hoffe, dass die EP positiv aufgenommen wird.

Danke, Guðrið, für das Gespräch und viel Erfolg für deine Tour.


Die Tourdaten

5.3., Bremerhaven, Pferdestall
8.3., Berlin, Roter Salon
10.3., Mainz, Hafeneck
11.3., Speyer, Kulturzentrum Eckpunkt
12.3., Crailsheim, Bar 7180
13.3., Erlangen, E-Werk
14.3., Karlsruhe, Kellerhalle



Über Stephan

Mit 15 stieß Stephan zufällig auf eine Broschüre über die Färöer-Inseln. Ein kurzes Herumblättern genügte, und es war um ihn geschehen. Neben den Färöern hat der 35-Jährige, der hauptberuflich als Redakteur in einem medizinischen Fachverlag arbeitet und früher mal Krankenpfleger war, auch eine ausgeprägte Faszination für die anderen nordischen Ländern, momentan besonders für Finnland.

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