Bedroomdisco mit Xenia Kriisin


Was war denn DAS für ein Abend! Also ob man mal eben zu Tom Cruise und den nackigen Damen mit den Masken in Eyes Wide Shut gehüpft wäre. Wenn man einfach nicht weiß, was passieren wird.

Ja, ja! Wir fangen von vorne an. Bedroomdisco ist eine Art Wohnzimmerkonzert in der Region um Nürnberg und gibt es in dieser oder anderer Form auch in anderen Städten. Es wird eine Veranstaltung bekannt gemacht (meist über Facebook). Man meldet sich an und ist einer der ca. 30 Leute auf der Gästeliste.
Die Band: schwedisch – heißt Xenia Kriisin. Kling schon mal gut!
Hörprobe vorab: nein! Zeitmangel.

Naja, was wird das schon sein. Schwedin mit Trommler,… so Indiezeug. Klischee. Ist ja aber immer ganz nett sowas zwischendurch. – Ach wie lag ich falsch.

Die Location bleibt bis kurz vorher geheim – dann geht’s aber los: Monobar 20:00 Uhr – durch den Garten und dann in den ersten Stock. – alles klaro! Ich bin zu spät!

Es spielt gerade schon ein junger Mann ein paar Lieder auf er Gitarre – ah die „Vorband“.
Der Raum ist voll und das kleine aber feine Publikum sitzt auf den Sofas und auf Kissen auf dem Boden. Auf die Jacke setzen geht auch. Der junge Mann sah ein bisschen aus wie der Pate und schmetterte ein grandios die Songs mir seiner Reibeisenstimme. Oh das ist jetzt aber überraschend!
Der junge Mann entpuppt sich als der Sound-Mann und Tourbegleiter der Band.

Das Mädel neben mir mit der verrückten Sonnenbrille und dem großen Mantel und dem Strickschal um die Schultern steht auf. Sie erklärt auf englisch, dass es in zehn Minuten weitergeht. Ouh, verrückt! Das ist ja die Sängerin! Die Sängerin mit dem verrückten Namen! Xenia Kriisin.

Sie fängt an zu spielen auf einer Art Zitter – oder so! Der Drummer ist auch am Start. Dann wird echt total abgefahren. Es wirkt erstmal gefällig, dann total experimentell, die Lieder – eines nach dem anderen- gefallen, brechen aus bis zur Schmerzgrenze, fangen dich wieder ein und wiegen dich zum Ende. Es gibt Synthi, versiert gespieltes Schlagzeug, das mehr kann als nur auf der Basedrum und den Highheads zu begleiten, und eine Sängerin, die wundervoll klar singt, aber auch die Stimme bis zum Störton quälen kann. Es wird der Raum einbezogen und die Stimmung ist gespannt und jeder ist einfach fasziniert. Das ganze Ensemble fühlt sich an wie eine richtig starke Sturmböe an Bord der Nordseefähre, die zusammen mit dem Wasser zu einer perfekten Choreografie wird. Die Lieder sind einfach Hymnen und der Albumtitel verspricht wahrlich nicht zu viel. – Jemand nannte es auch „Exorzisten-Jazz“. Dabei war es doch viel sanfter.

Der Abend war einfach nur irre und ohne zu wissen, was da wartet, war es fast schon eine Offenbarung.
In den Hut geht das Geld und ich mit einer Vinyl nach Hause. … und die Musikfetzen klingen noch heute nach. Selten so ein tolles Konzert erlebt.


Über Tine

Admin & Wort-Tonttu | Schwerpunkt: Design, Musik, Film | Lieblingsland: Finnland Das Blog soll allen Nord-Freaks da draußen eine Plattform geben, das Nordweh zu teilen. Ich kuratiere und administriere die Website und freue mich über jeden der mitmachen möchte! Mein Lieblingsland is übrigens Finnland! ;)

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