Mode von ganz oben! – Teil 1: Marie aus Dänemark 5


Wer schon einmal im Norden war, wird feststellen, dass dort Klamotten getragen werden, die weiter südlich erst ein bis zwei Jahre später aufgegriffen werden. Oft hat man das Gefühl, deutsche Modeketten tun sich schwer, den Zahn der Zeit zu treffen und meist wirken die Trends unauthentischer, gezwungener als in Skandinavien. Bei schon zahlreichen Besuchen in Schweden blickte ich neidvoll auf die Damen und Herren, die – meist altersunabhängig – mit einer Selbstverständlichkeit und ohne jegliche Anstrengung gut auszusehen schienen.
Nicht umsonst sind H&M und IKEA zentrale Anlaufstellen und (zu meinem Leidwesen) oft überfüllt. Will man sich ein Stück nordisches Lebensgefühl nach Deutschland holen, konsultiert der trendbewusste Deutsche mittlerweile meist das Internet. In den letzten Jahren hat sich dort nämlich eine bunte Modeszene entwickelt, die gern zeigt, was sie kann. Modebloggingseiten wie Lookbook, Hel Looks oder Stockholm Streetstyle bieten die perfekte Anlaufstelle für Modeinteressierte. Die meisten haben auch eigene Blogs und viele Blogger haben so etwas wie Promi-Status in der Szene erreicht. Auf der Suche nach dem Geheimnis des skandinavischen Stils bin ich auf drei interessante Bloggerinnen gestoßen, die alle einzigartig sind und dennoch die leichtfertige, authentische skandinavische Mode repräsentieren.

Wir beginnen im ersten Teil mit Marie von nemesisbabe.dk aus Dänemark.

Marie---nemesisbabeMarie
nemesisbabe.dk

Marie: Ich hab mich schon immer für Mode interessiert – oder für Ästhetik generell – und ich finde starke Farben, wilde Muster, Pailletten und andere glitzernde Dinge toll, was sich auch in meinem Stil widerspiegelt. Außerdem strebe ich immer nach Neuem – ich bin zum Beispiel schnell gelangweilt von neuen Trends und trage selten zweimal das gleiche Outfit in einem Monat. Meist warte ich dann etwa zwei Monate, bis ich wieder das Gleiche anhabe, so dass nur wenige Leute mein Outfit vorher gesehen haben.

Wann hast du mit dem Blog angefangen?
Marie: Ich begann meinen Blog in den Sommerferien 2010, weil mir ziemlich langweilig war. Ich hatte eigentlich keine großen Ambitionen, aber seit gut einem Jahr schreibe ich fast jeden Tag und es nahm sehr schnell Gestalt an. Mir wurde klar, dass mein lebenslanger Traum, nämlich in der Modeindustrie Fuß zu fassen, wahr werden könnte, wenn ich nur hart dafür arbeiten würde und der Blog ist eine Art Werkzeug dazu. Ich begann, meinen eigenen Look in den Alltag hinaus zu tragen und habe meinen Stil in den letzten Jahren sehr entwickelt. Im November 2011 kontaktierte mich Bloggers Delight, eine dänische Bloggingseite, die einen sowohl technisch als auch bei der Werbung unterstützt, so dass man damit auch Geld verdienen kann – heute bin ich einer ihrer Premium-Blogger. Dadurch stieg auch die Besucherzahl meines Blogs gewaltig. Letzten Sommer waren es 100 am Tag, heute sind es etwa 1000. Dazu kamen noch etwa 300 neue Abonnenten – das ist echt Wahnsinn.

„Jeg tror ikke man kan sætte min stil i boks.“

Wie sieht dein Kleidungsstil aus?
Marie: Es ist echt schwer, meinen Stil in ein oder zwei Worten zu beschreiben. Er ist recht bunt gemischt, könnte man sagen – eine Mischung verschiedener Stile und sehr kontrastreich. Er lässt sich schlecht in eine Schublade stecken – mal im Stil der 80er oder 90er, mal bin ich die edle Dame und manchmal ist es einfach nur eine Farbexplosion, aber ich trage nie den gleichen Stil an zwei Tagen hintereinander. Ich kann es nur wiederholen: Ich will auf keinen Fall zweimal das selbe anziehen oder vorhersehbar sein. Eines kann man allerdings über meinen Stil sagen: Ihr seht mich (hoffentlich) nie in einem komplett schwarz/grau/weißen Outfit. Ich trage mindestens noch ein buntes Haarband oder einen bunten Lippenstift.

Wie kleidet sich der typische Däne?
Marie: Der typische Däne…mmh… Ich könnte jetzt sagen, die meisten jungen Dänen tragen T-Shirts und Jeans und irgendwas, das gerade angesagt ist. Zum Beispiel tragen im Herbst alle Mädchen enge Jeans und einen Pullover mit einem Hemd oder Shirt mit Kragen drunter. Im Frühjahr liefen viele noch so rum, im Sommer dann auch mit Federn und Strickpullis in Pastellfarben. Aber ich will die dänische Jugend jetzt nicht über einen Kamm scheren, weil es so viele gibt, die sich individuell kleiden; nur die Mainstream-Leute springen auf das andere an.
Einer der Stile, die heutzutage sehr in sind, ist der „blackster“-Stil, wie Marie Jedig vom Blog www.vildekaniner.dk ihn so treffend genannt hat: schwarz, grau, weiß, wirklich viel schwarz – kombiniert mit Stücken großer skandinavischer Labels wie Acne. Enge Jeans sind in der Hinsicht auch immer ein Hit. Ich selbst begrüße diesen Mainstream-Stil nicht immer, aber ich kann mir schon vorstellen, warum Menschen sich so kleiden: Es ist eine sichere Wahl und es sieht fast immer gut aus, wenn man eben mal in Jeans und Shirt schlüpft. Wenn man keine Zeit mit der Auswahl der Kleidung verbringen will, ist das eine gute Lösung. Ich finde es schwierig, auf dieser Welle mitzuschwimmen, weil ich die Mode nutze, um anderen zu zeigen, wer ich bin – und das kann ich nicht, wenn ich aussehe wie alle anderen.

Welchen Stellenwert hat die skandinavische Mode in der Welt?
Marie: Man kann sagen, dass die skandinavische Mode die Kleidung revolutioniert hat. Es gibt eine Menge Designer, die die Schlichtheit und gute Qualität für sich entdeckt haben. Ich glaube, die skandinavischen Designer haben das perfektioniert und erfinden diese Einfachheit auf eine immer wieder spannende Weise neu. Hier sind auf jeden Fall Acne oder Weekday zu erwähnen (Ja, die Schweden haben’s einfach am besten drauf!). Diese Labels bieten – auf unterschiedlichem Preisniveau – einfache und schöne Kleidung auf eine innovative Art und Weise. Beide können gleichzeitig Neues erfinden und ihrem Stil treu bleiben. In Sachen dänische Designer muss eine recht bekannte Designerin erwähnt werden, nämlich Stine Goya, die gerne weibliche Formen, viele Prints und schöne Farbkombinationen, meist in Pastellfarben, nutzt. Ich finde, sie trifft den dänischen Geschmack ganz gut und vielleicht werden langsam auch Menschen aus dem Ausland auf sie aufmerksam, denn meiner Meinung nach gibt es viel zu wenig Leute wie Stine im Ausland. Ja, sie hat ihren eigenen Stil. Es ist doch so: Die skandinavischen Designer sind ziemlich einzigartig, denn obwohl sie sich oft ähneln, drücken sie den Sachen ihren eigenen Stempel auf – meist mit skandinavisch-kühlem Understatement – und schaffen es so, ganz eigene Sachen daraus zu machen.

Woher bekommst du deine Inspiration?
Marie: Ich bekomme meine Inspiration meist aus ausländischen Blogs – dort, wo sich die Leute ein bisschen verrückter kleiden. Der Streetstyle Blog Hel Looks ist zum Beispiel eine große Inspirationsquelle, weil die Leute in Helsinki sich so interessant anziehen. Eine Inspiration kann auch schon ein Bild mit einer neuen Farbkombination und einem Kleidungsstück sein, das nur darauf wartet, auf eine andere Art gestylt zu werden. Ich glaube, meine Inspiration kommt hauptsächlich von Farben, sei es in Outfits, auf Bildern oder bei Möbeln – ganz egal.

In Deutschland herrscht die Meinung, ihr Skandinavier seid der Mode immer einen Schritt voraus. Wie schafft ihr es bloß immer, ganz vorne mitzumischen?
Marie: Das glaube ich auch. Schaut man zum Beispiel auf den Modeblog lookbook.nu findet man eine ganze Menge schwedischer Mädels (Ja, die Schweden sind immer die Besten!), die ganz viele Trends setzen. Außerdem hat auch die stark aufblühende dänische Bloggerszene dazu beigetragen, dass Trends sehr schnell aufgegriffen werden. Die skandinavische Mode hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit erfahren. Wir bringen einige ganz neue Elemente in die Modewelt ein, die man so in Paris oder New York nicht sieht und da die skandinavische Mode vor ein paar Jahren noch nicht so bekannt war wie heute, zeigen wir vielleicht einige neue Trends, weil die Modeindustrie gar nicht wusste, was es hier oben im Norden so gibt. :)

Fortsetzung Mode von ganz oben! – Teil 2: Anna aus Schweden


Dieser Artikel ist bereits in der Ausgabe #2 des Nørdhæftii erschienen.
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