Im Lyrik Kabinett mit Pia Tafdrup


Ab wann empfinden wir ein literarisches Werk als lesenswert? Welche Rolle spielen die eigenen Wurzeln und Erfahrungen, sowie die der Literaten? Unter der Reihe „Europäische Begegnungen“ hat vergangenen Mittwoch, am 10. Dezember 2014 das Lyrikkabinett in München die dänische Schriftstellerin Pia Tafdrup, sowie die in Berlin lebende, gebürtige Japanerin Yoko Tawada auf einen Dialog unter der Moderation von Heinrich Detering eingeladen.

Vorgetragen wurden unter anderem Gedichte, sowie Auszüge aus der ersten deutschen Übersetzung Pia Tafdrups, welche in ihrer Heimatstadt in Kopenhagen bereits mit mehren Preisen ausgezeichnet wurde. 2010 erhielt sie den Statens Kunstfond im Bereich Literatur, weitere Auszeichnungen unter anderem in Schweden und der Slowakei.

„Die Sprache ist der Akteur, der Literat das Mundstück.“, so die einleitenden Worte des Literaturwissenschaftlers Heinrich Detering. Pia Tafdrup beschreibt ihre Arbeit wesentlich schlichter. Trotz ihres internationalen Erfolgs – ihre Werke wurden unter anderem ins Englische, Slowakische und Spanische übersetzt, wirkt die 1952 geborene Dänin sehr bodenständig.

tarkovskijs_heste_digte-pia_tafdrup-22231229-1650100079-frntl„Eine Atmosphäre in einem Raum ist zuallererst durch körperliche Reaktionen nachzuvollziehen. Zuerst reagiert mein Körper, dann die Gedanken. So verhält es sich auch mit dem Schreiben.“ Pias Werke schildern unausweichliche Szenerien. Es ist sie selbst, ihre Familie und deren Geschichte, die sie in nun mehr als 20 Romanen beschreibt. Dabei fliessen auch die Flucht der jüdischen Eltern nach Schweden und die traumatischen Erfahrungen des Vaters unter der Besatzung der deutschen Truppen, in ihre Werke mit ein.

In ihrem Gedichtband Tarkovskijs heste (Tarkovskijs Pferde) verarbeitet sie die fortschreitende Demenzerkrankung ihres Vaters bis zu dessen Tod. „Selvom han lever, leder jeg efter min far, i min far…“ (Obwohl er lebt, suche ich nach meinem Vater, in meinem Vater…). Das dänische Original wurde 2007 im Gyldendal Verlag veröffentlicht.

Leider gibt es bis jetzt kaum deutsche Übersetzungen. Wer jedoch Lust auf die dänische Sprache bekommen hat, kann sich unter folgender Seite eine Reihe von Pia Tafdrups Gedichten, von ihr selbst gelesen, anhören.

Paulina Tanterl 

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