Ein Adventswochenende in Oslo, oder: Woher kommt der Glaube an den Julenissen? 1


Nun ist es schon wieder eine Woche her, dass ich kurz mal wieder in Norwegen, genauer gesagt in Oslo, war. Auf der Suche nach Schnee, ein bisschen Weihnachtsstimmung und Trollen. Trollen? Dazu gleich mehr. ;)
Die Landung und Ankunft in Gardermoen erweckte zunächst den Eindruck, dass der erste Punkt zutreffen würde: Rund um Gardermoen schneite es. Und damit tauchte auch die Landschaft in das berühmt-berüchtigte skandinavische „Schneeblau“. Die Freude auf ein schneereiches Wochenende wurde dann aber leider eine halbe Stunde später in der Stadt bitter enttäuscht. Eisig war es, aber es lag kein bisschen Schnee mehr. Was allerdings auch nicht verwundert, da die Stadt Oslo zum Teil auf beheizbare Gehwege setzt, um dem eisigen Winter dort etwas entgegensetzen zu können. Schnee und Eis gibt es dann wohl auch erst, wenn trotz moderner Technologien der Natur kein Einhalt mehr geboten werden kann und sich der Winter von den Vororten aus auch in der Stadt niederlässt.
Wenigstens in Punkt zwei wollte ich da jetzt nicht auch noch enttäuscht werden. Und bei Ankunft an Oslo S fiel auch sofort auf, dass sich die ohnehin liebliche Dekoration ganz dem baldigen Weihnachten verschrieben hatte. Überall flackerten kleine Kerzchen und Lichterketten verliehen der Stadt eine Art Wohnzimmercharakter. Zimt und Kardamomgeruch (typisch für Bolle – Rezept folgt demnächst ;) ) vermischten sich mit bekannter Weihnachtsmusik. Am Bahnhof – wie auch schon am Flughafen – beeindruckte außerdem ein riesiger, geschmückter Weihnachtsbaum, der im Vergleich zu den deutschen Weihnachtsbäumen vor größeren Einrichtungem nahezu verspielt und kindlich wirkte (Wer mal gucken will: http://www.oslo-s.no ). Spätestens bei diesem Anblick rührte sich eine weihnachtliche Stimmung, die bei einem Spaziergang durch die Stadt nur umso stärker wurde….
Aber was wäre eigentlich ein norwegisches Weihnachten ohne die Tradition der kleinen Trolle, die dort in den Läden zwischen Geschenkpapier und Süßigkeiten sitzen? Am bekanntesten ist hier vor allem die Geschichte um den Troll Nisse (eine Art Troll, die es in allen skandinavischen Ländern gibt – man denke da nur an den schwedischenTomte Tummetot von Astrid Lindgren). Nisse – vergleichbar also mit einem weihnachtlich gestimmten deutschen Heinzelmännchen. Aber woher kommt eigentlich die Legende und der Glauben an Nisse?
Der Glaube an einen Nisse geht bis in heidnische Zeiten zurück. Früher war Nisse ein übernatürlicher Beschützer eines Hofes, der geehrt und geachtet wurde. Gerade zum großen Weihnachtsfest bedankte man sich für diesen Schutz mit Essen und Trinken (mit sog. „julegrøt“, Weihnachtsgrütze), das man traditionell in die Scheune oder aber auch auf den Dachboden und Fensterbrett stellte.

Nach diesem frühen Glauben war der Beschützer des Hofes der eigentliche Gründer eines Hofes. Die Menschen, die auf dem Hof lebten, glaubten daran, dass dieser Hofgründer in dieser dunklen, winterlichen Jahreszeit aus seinem Grab stieg, um zu essen und zu trinken. Dazu muss man auch wissen, dass die verstorbenen Menschen früher meist auch in der Nähe des Hofes begraben waren – also in nächster Nähe zu „ihrem“ Hof waren.
Um den Gründer schließlich nicht zu verärgern und ihm ausreichend Essen zu geben, stellte man ihm also Essen und Trinken bereit. Im Gegenzug dazu konnten die Menschen auf dem Hof dann sicher sein, dass der „Gründer“ den Hof mit Mensch und Tier ein weiteres Jahr beschützen wird. Im Laufe der Zeit veränderte sich dieser Glauben. Vom Bild eines eher (zugegebenermaßen eher zombiehaft anmutendem) gruseligen Gründer zu einem gutmütigen Troll: Nisse. Einer mit roter Zipfelmütze, weißem Bart und Knollnase. So wie er heute kurz vor Weihnachten vor Schreck erstarrt in den Läden sitzt.
Und genau dieser kleine Wicht geht in der Winternacht – traditionell in der Weihnachtsnacht – über den Hof, besucht die Tiere im Stall und die Kinder und die Erwachsenen auf dem Hof. Aber nur wenn er dann auch Essen und Trinken bekommt, wird er wohlgesonnen sein und die Familie ein weiteres Jahr in Sicherheit leben lassen.
Wer also auf einem Hof lebt, sollte dieses Jahr auf keinen Fall vergessen, dem Nissen zu Weihnachten zu danken. Wer weiß schon, ob es ihn vielleicht doch gibt? :)
Und wer sich jetzt noch über den Namen wundert: Der in Norwegen und Dänemark gebräuchliche Name “Nisse” leitet sich vermutlich aus dem dänischen Namen Niels (Nikolaus) ab, in Schweden heißt er “Tomte” (siehe Astrid Lindgren…) und in Finnland “Tonttu”.
Leider konnte ich in Oslo keinen der Trolle davon überzeugen, auf ein Foto zu hüpfen. Dafür konnte ich aber ein paar wenige Eindrücke von der vorweihnachtlichen Stimmung in Oslo einfangen.
Fazit: Für jeden, der mal wieder ehrlich gefühlte Weihnachtsstimmung und Vorfreude erleben will, kann ich Oslo nur wärmstens ans Herz legen. Und in diesem Sinne ein schönes drittes Adventswochenende!


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