Jag är cyklist.


Die ZEIT schrieb in letzter Zeit des Öfteren über Kopenhagen. Entweder wurde diese Zeitung von jemanden dort mit dänischen Waffeln bestochen oder das Sommerloch hatte sich in die Papierausgabe gefressen. Hauptthema war immer die Lebensqualität der Hauptstadt Dänemarks.

Studien und Rankings listen die Stadt unter den Top 5 der lebenswertesten Städten und genauso oft, wie diese veröffentlicht werden, wird versucht zu ergründen: Warum gerade Kopenhagen?
Allerlei Erklärungen tauchen nach und nach auf. Die Nähe zum Wasser beispielsweise, die hyggelighet oder gerne die angebliche genetische Veranlagung der DänInnen zum Glücklichsein.
Ganz vorn allerdings auch mit dabei: Radfahren. Und wer schon einmal die Hauptstadt Dänemarks besucht hat und in den Genuss des Fahrradfahrens dort gekommen ist, der kann nur bestätigen: Das macht glücklich.

Bei all dem Lobgesang auf Kopenhagen, wird oft vergessen, dass von jener fahrradfreundlichen Großstadt eine nicht minder fahrradfreundliche Stadt nur ein paar Kilometer über den Öresund entfernt liegt. Hejsan Malmö!

Die drittgrößte Stadt Schwedens ist führend im ganzen Land in Sachen fahrradfreundlicher Stadtentwicklung und verfügt schon jetzt ein sehr gut ausgebautes Radwegnetz. Auch wenn nun im nahenden Winter der Seewind unerbittlich weht und Regenschauer einen überraschen, die Malmöer steigen nicht vom Rad – und ich auch nicht.

Bevor ich hierher gezogen bin, habe ich in Berlin gewohnt und würde wohl jegliches Merkmal des „Kampfradlers“ erfüllen. Nicht weil ich stolz darauf bin, sondern weil ich musste.

Ich besitze kein schickes Rennrad, mein Fahrrad hat Bremsen, wenn auch schlechte; ich benutze Radlichter, aber noch viel mehr meine Klingel; und nein, ich versuche dank bbbike vor allem Radwege zu benutzen und den Autofahrern das Leben nicht zu erschweren. Allerdings ist das in Berlin fast unmöglich. Es wird gehupt, gedrängelt, geflucht. Sowohl auf dem Rad (hörbar) als auch im Auto (sehbar). Schon des Öfteren stieg ich mit Aggressivität geladen zuhause vom Rad. Der einzige Anlass zum Glücklichsein war, das ich nicht gestorben bin; der Autofahrer mich nicht wegen Beleidigung angezeigt hat und ich nicht von der Polizei zu Bußgeld bestraft wurde, weil ich auf dem Fußweg fuhr.

Malmö hat mein Leben entschleunigt. Meine Überholmanöver, Flüche und Geklingel wurden nur mit Ungläubigkeit quittiert. Wozu der Stress? Warum der Ärger? Es wird gemütlich geradelt. Schließlich haben die Radfahrenden Vorfahrt. In einem ständig anmutig fließenden Strom gleiten die Malmöer Radler durch die Stadt. Möglich ist das auch durch die separaten, breiten Radwege, eigene Beschilderung, grüne Welle und Rücksichtnahme seitens der Autofahrer – diese sind hier schließlich in der Unterzahl. Der Radfahrende als solcher wird also respektiert.

Und Radfahren ist quasi auch ein Statement an die Umwelt. Tiefergelegte BMWs sind zwar hier auch peinlich, allerdings noch einiges mehr: respekt- und verantwortungslos und insbesondere unnötig. Malmö ist überschaubar und weitestgehend zu Fuß erreichbar. Hinzu kommt ein gutes Busnetz und eben das hervorragende Fahrradwegnetz – warum also sich mühevoll mit dem Auto durch die Gassen schlängeln?

Geschickt wird man mit dem Fahrrad durch die Stadt gelotst, vorbei an Parks und am Wasser. Es wird sich gegenseitig gegrüßt, statt beschimpft und eine erstaunliche Mehrheit benutzt die Handsignale, die alle wohl einmal in der Grundschule gelernt haben.

Einen Grund zum Fluchen gibt es aber doch in Malmö und wohl auch in Kopenhagen. Wer nicht aufpasst, der ist ganz schnell sein Fahrrad los. Trotz eisernem Kettenschloss und pipapo. Dass einem mindestens einmal das Rad geklaut wird, gehört jedoch fast zur guten Integration in die Malmö.

In diesem Sinne bin nun auch ein richtiger malmöbo.


Über Marlene

Im Gegensatz zu Berlin, riecht es in der Ubahn in Stockholm nach Zimtschnecken. Ein Grund meine Wahlheimat zu verlassen und wieder gen Norden zu ziehen. Zur Zeit wohne ich in Malmö mit Sicht auf Kopenhagen und schreibe über Film, Musik und Kultur.

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