Portrait: Skagen in Nordjütland 1


Unsere Reise geht dieses mal in den nördlichsten Teil Dänemarks. Skagen, die Stadt des Lichts, welche am ehesten der romantischen Vorstellung skandinavischer Leuchttürme und unberührter Weite entspricht, bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen Ursprung und Moderne. Der ehemalige Handelsknotenpunkt zwischen Schweden, Norwegen und Dänemark eint geschichtliche Epochen und erzählt von einer ungebrochenen Liebe zur Kunst, welche noch heute von ihrem Höhepunkt um 1900 zehrt.

L’heure bleu, die blaue Stunde galt und gilt heute noch vielen Künstlern als Inspirationsquelle. Skagens Museum thematisiert dieses Phänomen sowie dessen Einfluss auf die damalige Film,- Literatur,- und Photographiegeschichte. In der Tat ist dieses einzigartige Licht kaum zu fassen. Was als goldener Auftakt beginnt, endet Nachmittags in einer diffusen, stahlblauen Kälte. Hafenszenerien erinnern an Kaurismäkis lakonische Poesie.

Skagen, hat sich wegen seiner besonderen Lage zwischen der Nord,- und Ostsee zu einem beliebten Reiseziel entwickelt. In den Sommermonaten fahren bemannte Traktoren (Sandormen=Der Sandwurm) Richtung Grenen, wo Skagerrak und Kattegat aufeinander treffen. Vor allem wohlhabende Kopenhagener verbringen ihre Urlaubszeit in Sommerhütten, nebst Reiterhof, mit Blick aufs Meer. Das führt dazu dass viele einheimische Familien ihre Stadt und Umgebung großen Immobilienprojekten, sowie massiven Preiserhöhungen auf dem Immobilienmarkt ausgeliefert sehen. Die Kleinstadt mit knapp 8198 Einwohnern ist auf die Einnahmequelle des Tourismus  angewiesen, ganze Landstriche sind darauf ausgelegt.

Aber dennoch schafft es Skagen, welches gerne mit dem deutschen Inselpendant Sylt verglichen wird, seinen Charme zu bewahren. Die Küsten sind leicht zu Fuß zu erreichen, lange Wanderwege führen durch hohes Gras, Flechten und Moos, die an die finnische Tundra erinnern. Außerhalb der Sommermonate Juli und August findet man einsame Küstenstrände, abseits vom Trubel der Hochsaison.

Im Monat November erzählt Skagen eine andere Geschichte Dänemarks. Fern vom Konsum vorweihnachtlicher Großstädte ist ganz Nordjütland in stille Andacht gehüllt. Irgendwo in einem winzigen Vorort Names Hulsig feiert eine dänische Familie den 80. Geburtstag ihrer Großmutter. Es wird viel gelacht und getrunken. Das obligatorische “Hurra! Hurra! Hurra!” mehrmal in die Nacht entsannt. Es ist schon spät, als wir uns aufmachen, die Mäntel lose übergeworfen. “Hier im Norden schweigt man viel, der Wind erzählt uns genug.”

Text und Photos von Paulina Tanterl 


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