Im Interview: Árstíðir


Ende September auf ihrer Deutschland-Tour machten Arstidir mit einem neuen, etwas modernerem Programm halt im E-Werk Erlagen. Die Stimmung im Saal war selbst beim dritten Besuch der Isländer wie immer hinreisend. Auch wenn dies Mal weniger isländische Lieder gesungen wurden und etwas mehr Pop im Spiel war, erlebten die Zuschauer einen herrlichen Abend. Die Lockerheit der Band bricht sofort jedes Eis.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nach dem verzaubernden Abend hatten wir die Möglichkeit mit Ragnar, Karl und Gunnar in lockerer Rund ein Interview zu führen.

Eurer erstes Konzert in Deutschland war am Bardentreffen in Nürnberg vor 3-4 Jahren. Seit dem habt ihr schon ein paar Konzerte in der Region gespielt. Scheint, dass ihr gerne wieder kommt?
Ragnar: Ja, genießen es sehr hier zu sein. Da E-Werk ist ein wirklich netter Ort zum Spielen. Wir waren hier schon drei Mal.
Karl: Beim ersten Konzert waren wir noch auf der kleinen Bühne und jetzt spielen wir schon hier im Saal. Außerdem ist das Catering ziemlich gut. Letztes Mal habe ich meine Lasagne während des Konzerts im Geschirrspüler versteckt, damit sie niemand anderes isst. ;)
Ragnar: Naja, außerdem ist hier in der Gegend auch Christian von Beste!Unterhaltung – unser deutsches Label – beheimatet. Da trifft man sich und bespricht vieles. Das macht Spaß die bekannten Gesichter zu sehen und sich auszutauschen.

Heute seid ihr zu viert bzw. fünft aufgetreten. Hat sich die Band im Laufe der Zeit immer wieder verändert? Wie hat sich Arstidir gefunden?
Ragnar: Wir haben zu dritt angefangen Musik zu machen. Daniel, Gunnar und ich und wir haben Coversongs  gespielt. Celine Dion und Justin Timberlake. Wir wollten zuerst versuchen eine großen Stimmumfang zu bekommen. Also haben wir in einer Bar einfach gespielt.
Karl: Als ihr das Timberlake-Cover gespielt habt, habe ich euch zum ersten Mal gesehen. das war ungefähr 2008 und von da an nahm alles seinen Lauf.

Und wie würdet Ihr euren Musikstil beschreiben? Oder hat sich das auch während der Jahre entwickelt.
Ragnar: Wir haben keinen Stil in dem sinne. Die Lieder kommen so daher wie sie wollen. Wir begrenzen uns nicht durch ein Genre und so können wir einen Song auf verschiedene Arten spielen und testen welche Art am besten zu ihm passt und wie er am besten klingt. Sobald man aber dann im Studio ist muss man feststellen ,dass man doch daran feilen muss.
Gunnar: Vielleicht ist deshalb die isländische Musik so besonders, weil wir keine Genre kennen. Menschen kommen zusammen um Musik zu machen. Und genauso ist es beim Publikum – Sie gehen nicht direkt auf ein Konzert, um eine gewisse Art von Musik zu hören. Sie genießen einfach nur die Musik.
Ragnar: Das macht es viel einfacher, die Songs entstehen zu lassen. Man muss es nicht in ein Genre pressen und sagt „du musst jetzt ein Country-Song sein“.

Letztes Jahr habt ihr die isländische Hymne „Heyr himna smiður“ im Bahnhof von Wuppertal gesungen.Wer hatte die Idee dafür und auch es aufzunehmen? Die Resonanz der Menschen war unglaublich!
Gunnar: Es war eigentlich überhaupt nicht geplant. Die Jungs sind einfach in die Halle gegangen und man sieht ja, dass ich etwas später dazu komme. Irgendjemand hat das dann aufgenommen und als wir dann das Video gesehen haben waren wir auch erst nicht sicher, ob wir das auf Youtube veröffentlichen sollten. Aber wir haben es doch getan. Und nach einiger Zeit hat jemand gesagt: „Kuckt mal es sind schon 10.000 Views. Tolles Video!“ Und einen Tag darauf war es wesentlich mehr.
Karl: Ich habe das Video erst am anderen Tag gesehen und mir war garnicht bewusst, was das für eine große Sache ist.
Gunnar: Eine andere interessante Sache an dem Lied ist, dass der Komponist von dem Lied erst kurze Zeit bevor das Video entstand, gestorben ist. Durch die Popularität des Videos war, hatten wir Kontakt zu seiner Familie und die waren wirklich froh und glücklich darüber. Es ist eine schöne erinnerung an sein Lied und es wurde so weit verbreitet. Das ist toll!

 

Euer drittes Album habt ihr erfolgreich mit Kickstarter finanziert. Was war der Grund dafür?
Ragnar: Für unser letztes Album mussten wir ein Bankdarlehen aufnehmen, um es aufnehmen zu können. Natürlich mussten wir es zurückzahlen und das war schon eine schwere Last. Ein Freund hat uns dann erzählt, dass er das neue Album seiner Band so finanziert hat. Also haben wir das ausprobiert.
Kickstarter ist ein gut Plattform dafür. Es geht nicht nur alleine um Crowdfunding. Es ist auch eine Community und du zeigst dein Projekt und bewirbst es auf der Website. Wenn die Leute es mögen, geben sie dir Geld. Meistens nutzen Menschen in den USA die Website und die scrollen einfach durch die Seiten und wenn die etwas sehen, das sie mögen, unterstützen sie es einfach. Also geht es nicht einfach nur um das Projekt sonder auch darum was die Besucher davon halten. Wenn du positive Rückmeldungen bekommst, kannst du dir auch sicher sein, dass du gute Arbeit machst. Wenn das ist nicht so ist, weißt du dass Musik vielleicht nicht deine Profession ist und du solltest dir einen anderen Job suchen.

Hab ihr genug Geld zum produzieren des Albums gesammelt?
Ragnar: Ja, zum Glück ist es weit mehr geworden, als wir veranschlagt haben.

Also habt ihr jetzt viel, viel mehr Geld zum das Album aufzunehmen?
Ragnar: (lacht) Nein. Es ist natürlich genug um das Album zu produzieren aber da kommen ja noch weit aus mehr Dinge hinzu. Jeder Unterstützer bekommt eine art Belohnung wenn das Funding zu Ende ist. Natürlich bekommen sie das neue Album und ein bisschen Extra-Sachen, wie zum Beispiel T-Shirts, Plecs, und auch Notenblätter.
Was man eigentlich also macht ist ein Vorverkauf des Albums und die Menschen können sich dann verschiedene Pakete kaufen. Sobald das Funding dann vorbei ist bekommen sie ihr Paket.
Ein anderer guter Effekt ist aber auch, dass wir neues Publikum gewonnen haben. Wir haben daran erst garnicht gedacht. Unsere Hauptzielgruppe dafür war Russland und Deutschland – dachten wir zumindest! Aber es war den die Menschen in den USA, selbst wenn wir dort noch nie gespielt haben.
Karl: Ich glaube es waren rund 70% der Unterstützer die auch gleichzeitig neue Fans waren. Das ist erstaunlich!

Das Album wird ja bald erscheinen. Was war denn die Idee bei dem Namen „hvel“? Es bedeutet sowas wie Hemisphere in isländisch, oder?
Ragnar: Es hat so viele Bedeutungen. Wir haben es genommen, weil es gut klingt. Im Isländischen bringt es viele schöne Metaphern hervor.
Gunnar: Ja es bringt verschiedene Bilder in den Kopf. Hauptsächlich aber Landschaften.

Es passt also zu eurer Musik. Es spiegelt viele dinge wider, wie es in eurer Musik auch passiert?
Ragnar: Ja, ganz genau!

Cover des dritten Albums "Hvel"Wenn man sich das Cover ansieht: Wie kam es dann zu dieser Idee? Das Cover ist von Vladimir Pulpan aus Ostrava in der Tschechischen Republik.
Ragnar: Wir hatten mal ein Fotoshooting mit ihm in Ostrava und wir haben da auch schon ein paar mal gespielt. Es gibt dort dieses alten Fabriken und Industriestrukturen von der Metall- und Stahlverarbeitung. Die Gebäude bröckeln und man sieht korrodierendes Metal. Davon hat er damals auch Fotos gemacht. Als wir dann beim Durchsehen der Fotos darauf gestoßen sind, haben uns die Strukturen so gefallen, dass wir alle perfekt für das Cover fanden.
Wir haben dort vier Jahre in Folge gespielt. Jetzt haben wir noch mehr eine Verbindung zu diesem Ort und das ist sehr schön.
Gunnar: Wir haben dort auf dem Festival in Ostrava gespielt – vielleicht ist es DAS Festival dort. Und Auch unser jetziger Proberaum in Island hat ähnliche Strukturen wie diese alten Russischen Industriebauten. Und da kommt auch ganz stark die Verbindung zum Album zu stande.

Zu guter Letzt: Welches isländische Wort oder Phrase muss jeder Deutsche unbedingt kennen?
Gunnar: „Þúngur hnífur!“ Das ist ein Zitat aus dem Film Hrafninn Flýgur (Der Flug des Raben) und bedeutet soviel wie „Das ist ein schweres Messer!“ … diese Szene ist ein bisschen lustig und jeder kennt sie. Also ein gutes Wort, um ins Gespräch zu kommen. =)


Über Tine

Admin & Wort-Tonttu | Schwerpunkt: Design, Musik, Film | Lieblingsland: Finnland Das Blog soll allen Nord-Freaks da draußen eine Plattform geben, das Nordweh zu teilen. Ich kuratiere und administriere die Website und freue mich über jeden der mitmachen möchte! Mein Lieblingsland is übrigens Finnland! ;)


0 Gedanken zu “Im Interview: Árstíðir