Nørds meet Martin von brandnord.de


Wir haben heute einen Herren zu Gast, der sich nicht nur selbstzerstörerisch in die Hölle des skandinavischen Bieres stürzt – nein, er ist auch noch Journalist. Martin und seine Kollegen waren so angetan vom Norden, dass sie kurzerhand ihr Know-how und die Nord-Freude zusammen gepackt haben. Dabei kam Brandnord heraus – ein Blog, das mit sehr viel Spaß den Norden erkundet und uns allen etwas näherbringt… und das mit bewegten Bildern! =D


Team_MartinMartin
Lieblingsland: Schweden vs. Norwegen
www.brandnord.de

Bitte gib‘ uns eine kleine Kurzvorstellung von dir.
Martin: Ich bin 32 Jahre alt, seit 12 Jahren als TV-Reporter unterwegs und seit 2005 in Kiel. Eigentlich komme ich aus dem Rheinland, aus der Nähe von Köln. Hier habe ich auch mit dem Schreiben und dem Journalismus anfangen dürfen, beim Rhein-Sieg-Anzeiger. Nach dem zweiten Praktikum in Kiel während meiner Ausbildung an der RTL Journalistenschule wusste ich: Wenn’s geht, dann will ich hierher zurück und hier als Journalist arbeiten. Und…es ging! Nun bin ich seit mittlerweile fast acht Jahren nicht mehr nur Reporter, sondern auch Inhaber meiner eigenen TV-Produktionsfirma. Und in den vergangenen Jahren wurden meine Kollegen und ich immer mehr zu so etwas wie Skandinavien-Korrespondenten, ohne aber wirklich in Skandinavien unser Büro zu haben. Von Jahr zu Jahr sind wir häufiger im Norden unterwegs, um v.a. für RTL von dort zu berichten.

 

Wann hat deine Leidenschaft für den Norden begonnen? Welches ist dein liebstes Nord-Land?
Martin: Im Grunde muss ich sagen: Begonnen hat die Leidenschaft für den Norden 2003/2004, als ich als Praktikant aus dem Rheinland hier in Kiel merkte: Man kann tatsächlich am Meer leben und arbeiten – Wahnsinn! Manchmal saß ich abends mit einem Bier an der Kieler Förde und habe die Fähre nach Göteborg vorbeifahren sehen. Und warum auch immer – das war ein ganz anderes Gefühl, theoretisch über Nacht nach Schweden zu kommen, als (für mich als Rheinländer) die gewohnte Nähe nach Holland und Belgien. Also, da muss das angefangen haben. Aber noch war ich ja „nur“ in Norddeutschland, nicht in Skandinavien. Als ich dann aber in den kommenden Jahre immer häufiger für Geschichten nach Dänemark und später auch Schweden und Norwegen reisen konnte, da war die Leidenschaft plötzlich geweckt.
Und welches mein Lieblingsland ist? Ich kann es ehrlich gesagt nicht beantworten. Es ist fantastisch, nach nur 5 Stunden Fahrt an einem einsamen Strand in der Nähe von Ystad in Schweden sein zu können. Aber Berge und Fjorde und Norwegens ziehen mich ständig magisch an. Also, bei mir wird es immer ein Zweikampf zwischen Norwegen und Schweden geben. Aber genau das ist doch das Tolle: Ich muss mich gar nicht entscheiden. Und ich bin froh, dass ich es nicht muss! Nur eins: Journalistisch, das ist zumindest mein Gefühl, ist in Norwegen mehr los. Man glaubt es ja kaum, ist aber so!

Wie entstand Brandnord? Wie kam die Idee die Leidenschaft für den Norden und die Arbeit zu verbinden?
Martin: Wir bei JMD Pictures haben alle gemerkt, von Kameramann bis zu uns Reportern: Die Drehs in Skandinavien sind echt die Besten! Nette Leute, super Stories, die Reisen machen Spaß, also: Eigentlich müssten wir mehr von dort berichten. Und eigentlich würden wir auch gern mehr von dort berichten. Nur sind wir natürlich genauso von Auftraggebern abhängig wie jede andere Firma auch: Ohne Nachfrage kann das Produkt noch so gut sein, es wird halt nicht gekauft. Also haben wir uns gesagt: Wir machen was eigenes! Denn dass es grundsätzlich genug Skandinavien-Fans in Deutschland gibt, ist ja bekannt. Dass wir Geschichten finden und erzählen können, und zwar in Filmen, das beweisen wir jeden Tag. Also, warum nicht unsere vorhandenen Möglichkeiten und die eines neuen Blogs kombinieren und nutzen und etwas eigenes entwickeln? So entstand Brandnord. Ohne strenge Formatierung, ohne Normen, Zwänge, Vorgaben. Nur Skandinavien und das, was wir draus machen. Hier toben wir uns also aus, haben dabei echt jede Menge Spaß, und bringen – glaube ich – dabei auch noch ein paar Infos rüber. Und nicht ganz unwichtig: Wir werden immer mehr zu Skandinavien-Experten, was uns in unserem normalen Arbeitsalltag als Journalisten natürlich weiterhilft.

Was war das Verrückteste, Schönste oder Kurioseste was dir/euch jemals bei einem Bericht im Norden passiert ist? Welche Story blieb im Gedächtnis?
Martin: 
Also, ich muss die Frage zweigeteilt beantworten. Das Verrückteste war mit Abstand eine Familie von einer Insel im Süden von Bergen, Norwegen. Vater, Tochter und Sohn haben jeweils den Jackpot im Lotto geknackt und insgesamt rund 3,5 Millionen Euro abgeräumt. Und zwar immer dann, wenn besagte Tochter schwanger war oder gerade ein Kind bekommen hatte. Kein Witz! Wir haben sie getroffen, die Geschichte stimmt. Die Geschichte einerseits, dazu die Optik dieser Insel, die unfassbare Stille dort, die Freundlichkeit der gesamten Familie – das ist für mich die beste und auch kurioseste Story aus dem Norden. Sie wird immer im Gedächtnis bleiben. Allerdings auch das: Ich habe vor drei Jahren fürs Fernsehen über Utøya berichtet, war im Juli 2011 sehr schnell vor Ort und dann erneut im Frühjahr 2012 in Oslo beim Prozess gegen Breivik. Und die Bilder vor Ort nahe Utøya, die Interviews mit Überlebenden, die Details im Prozess, auch das sind Dinge, die wohl für immer im Gedächtnis bleiben werden.

Was ist dein liebstes Essen im Norden? und warum? (Tuben-Ost ist es vermutlich nicht =D )
Martin: Haha, mein Lieblingsessen. Okay, das ist einfach. Ich komme gerade aus Norwegen zurück, und im Grunde sind es drei Dinge, die ich dort immer sofort einkaufe und wenn möglich auch als Vorrat mit nachhause nehme: brauner Geitost, Rentier-Salami (seit ich für einen Brandnord-Dreh einen Elch geküsst habe, scheidet Elchwurst aus. Vielleicht sollte ich noch ein Rentier knutschen…) und Sjokoladeboller (die Schokomilchbrötchen) von – jetzt kommt’s! – Statoil! Ja, ich kaufe die am liebsten an der Tanke, einen Kaffee dazu, und dann geht’s weiter im Bulli. Immer weiter Richtung Norden…

 

Welches Wort, Ausspruch oder Satz in deiner liebsten Nordischen Sprache, glaubst du, sollte jeder Deutsche kennen?
Martin:
 Ich will mich nicht mit etwas ganz einfachem davonstehlen, sondern meine das durchaus ernst. Wenn wir als Reporter oder Kamerateams unterwegs sind, dann helfen uns die Menschen immer, ohne etwas dafür zurückzubekommen. Sie geben Interviews, Hinweise, sind oft gastfreundlich. Deshalb finde ich, das wichtigste Wort ist: Danke! Tak / Takk / Tack – je nachdem, wo man gerade ist. Wobei… gesprochen klingt’s ja immer gleich!

Kiitos, Martin!


Über Tine

Admin & Wort-Tonttu | Schwerpunkt: Design, Musik, Film | Lieblingsland: Finnland Das Blog soll allen Nord-Freaks da draußen eine Plattform geben, das Nordweh zu teilen. Ich kuratiere und administriere die Website und freue mich über jeden der mitmachen möchte! Mein Lieblingsland is übrigens Finnland! ;)