Das Malmöfestival wird 30!


Wenn Freunde dreißig werden, können die Tage vor diesem Ereignis ganz schon angespannt und intensiv werden.
Was habe ich eigentlich erreicht? Kann es noch besser werden?

All diese Fragen hat sich wohl auch Malmös großes Geburtstagskind dieses Jahr gestellt und eindrucksvoll bewiesen, dass man auch nach 30 Jahren genauso frisch und voller neuer Ideen sein kann wie zuvor.
Am Freitag ging nach eineinhalb Wochen voller Kuchen, Konzerte, Theater und Tanz das Festival zu Ende – und damit auch halboffiziell der Sommer, wie manche Einwohner sagen.

Kurioserweise liegt die Geburtsstunde des komplett kostenfreien Festivals nicht in Schweden, sondern in Deutschland, genauer gesagt in Kiel. Die alljährlich stattfindende Kieler Woche diente als Inspiration und 1985 fand zum ersten Mal das Festival im Stadtraum Malmös statt. Viel hat sich im Laufe der Jahre verändert, es gab verschiedene Mottos und Veranstaltungsorte – doch eine Tradition hat sich gehalten: Das weltweit größte Krebsfest kräftskriva. Seit 1989, als die Malmöer es mit stattlichen 59.985 verdrückten Krebsen erstmals ins Guinessbuch der Rekorde geschafft haben, ist die Stadt jedes Jahr im August in Kämpfer- und Feierlaune. Leider musste das Zepter nach 1994 (91.500 Krebse wurden in Malmö geschlürft) an Dalarna abgegeben werden, aber das Fest und die gute Stimmung blieb in der Stadt.

Was besser wird? Alles! Zumindest mit den nachhaltigen Tipps vom Malmöfestival!

Diese ausgiebige Völlerei und wahrscheinlich massive Produktion von (Krebs-)Abfällen sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sich das Festival der Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit verschrieben hat. So hat das Stadtfest bereits den „A Greener Festival Award“ gewonnen und den schwedischen Preis „Miljömärkt Event – Håll Sverige Rent“. Das sieht man auch im Programm selbst: Zahlreiche Workshops zeigen beispielsweise was man aus alter Kleidung und Papier noch so alles machen kann; es gibt Diskussionsforen zu Kohlekraft und Gleichberechtigung und Tipps und Tricks, was jede/r Einzelne/r im Alltag zu einem grüneren Leben beitragen kann. Und auch die Veranstalter selbst gehen mit gutem Beispiel voran: Ab 2009 wurde das traditionelle Abschlussfeuerwerk abgeschafft – wegen zu hoher Umweltbelastung.
Allerdings konnte man dem Geburtstagskind zum 30. diese Freude wohl nicht verwehren und anlässlich dessen fand dieses Jahr doch eines statt…

Was wäre eine Geburtstagsfeier ohne Musik?

Neben den obligatorischen Fressbuden, Luftballonverkäufern und Fahrgeschäften erwartet die Einheimischen genauso wie die zahlreichen Touristen eine Anzahl an großartigen Konzerten. Die Liste der Künstler, die im Laufe der Jahre bei dem Festival auftraten ist beeindruckend und liest sich wie das Klassenbuch der musikalischen Elite Schwedens. Dieses Jahr sorgten Icona Pop, First Aid Kit und der Lokalheld Timbuktu für einen prall gefüllten Marktplatz.
Doch wie es bei jedem Geburtstagsfest den unangenehmen, betrunkenen oder unhöflichen Gast gibt, gab es auch einige negative Zwischentöne beim diesjährigen Festival: Die dänische Theatergruppe Global Stories löste mit ihrem Projekt „Med andra ögon“ („Mit anderen Augen“) eine Debatte um black facing aus. In dem Projekt wurde das Aussehen der Teilnehmenden mit Hilfe von Theaterschminke und Perücken so verändert, das jene für ein paar Stunden erleben konnten, wie man als Frau/Mann mit dunkler/heller Haut im Alltag wahrgenommen wird. Insbesondere das Vorher-Nachher-Bild eines blonden, hellhäutigen Jungen, der dunkel geschminkt wurde und eine schwarze Perücke bekam, löste einen Sturm von Entrüstung aus. Nachdem sich der schwedische Verband Afrosvenskarnas Forum för Rättvisa bei den Veranstaltern beschwerte, fand eine klärende Diskussionsrunde statt – die mit der Einstellung des Theaterprojektes endete. Global Stories selbst entschuldigte sich und beteuerte, das Projekt war in keinster Weise rassistisch motiviert und wollte vielmehr zur Sensibilisierung und Aufklärung von Alltagsrassismus dienen….mehr dazu hier.

Wenn auch manchmal auf unangenehme Weise, so zeigt dies doch, dass das Malmöfestival nicht nur ein jährliches Stadtfest mit Zuckerwatte und Tombola ist. Es zeigt, was Malmö für eine Stadt ist und sein will – und dass auch 30-Jährige immer noch dazu lernen können.


Über Marlene

Im Gegensatz zu Berlin, riecht es in der Ubahn in Stockholm nach Zimtschnecken. Ein Grund meine Wahlheimat zu verlassen und wieder gen Norden zu ziehen. Zur Zeit wohne ich in Malmö mit Sicht auf Kopenhagen und schreibe über Film, Musik und Kultur.