Norwegens Nationalfeiertag: „Norge i rødt, hvitt og blått“


Ja, vi elsker dette landet – „ja, wir lieben dieses Land“. So heißt es zu Beginn der norwegischen Nationalhymne, die vom Literatur-Nobelpreisträger Bjørnstjerne Bjørnson verfasst wurde und die in Norwegen heute vermutlich auf Dauerschleife gehört und gesungen wird. Heute ist der 17. Mai, heute ist norwegischer Nationalfeiertag.

Foto: www.tine.noZum 199. Mal feiert Norwegen das „Kongeriget Norges Grundlov“ (Grundgesetz des Königreichs Norwegen), das am 17. Mai 1814 in Eidsvoll, ein Ort bzw. Kommune im norwegischen Fylke Akershus, verabschiedet wurde. Davor war Norwegen 400 Jahre lang Teil der dänischen Monarchie und trat mit dieser eigenen Verfassung zunächst in einen losen Verbund mit Schweden ein, der bis zum 13. August 1905 hielt, worauf die Unabhängigkeit folgte (wobei Norwegen da Schweden ziemlich überraschte. Mehr dazu natürlich am 13. August ;) )

Norwegen war mit dem damaligen Grundgesetz, das durch seine Grundprinzipien von Volkssouveränität, Gewaltenteilung und der Freiheit des Individuums, insbesondere die der Meinungsfreiheit, zu dieser Zeit die modernste Verfassung Europas.

Norwegen feiert seinen Nationalfeiertag anders als andere Länder. Es werden vor allem Umzüge von Kindern mit Flaggen und Bändern in den Vordergrund gestellt – ganz im Gegensatz zu den meist üblichen Militärparaden an solchen nationalen Feiertagen, die in Norwegen vergebens zu suchen sind. Vom kleinsten Dorf bis in die Hauptstadt wird die norwegische Flagge gehisst und auch die original-norwegische Bunad (norwegische Nationaltracht) wird traditionell zu diesem Festtag getragen. Es wird viel gesungen, getanzt und die norwegische Küche genossen wie beispielsweise das eigens nach der Verfassung genannte „Grunnlovsdessert“ (Verfassungsdessert).

Allerdings wurde dieser Tag nicht immer so besonders gefeiert. In den ersten Jahren nach 1814 waren die Veranstaltungen  an diesem Tag noch sehr lokal und begrenzt. Noch in den 1830er Jahren beklagte sich der Dichter und einer der Hauptinitiatoren der modernen norwegischen Sprachbewegung Henrik Arnold Wergeland in einigen Artikeln darüber, wie wenige diesen Verfassungstag tatsächlich feiern. Im Jahr 1836 initiierte dann das Storting (das norwegische Parlament) die erste große 17. Mai-Feier, woraufhin seit diesem Tag der 17. Mai als Norwegens Nationalfeiertag gilt. Die Feier ist heute stark folkloristisch geprägt.  Viele Kritiker sehen darin eine eher im negativen Sinne zunehmend patriotische Bewegung, was auch in den letzten Tagen verstärkt in den norwegischen Medien diskutiert wurde und nicht zuletzt unter dem nationalistischen Aspekt des Attentats auf Utøya im Jahr 2011 steht. Allerdings zeigen diese Diskussionen erneut die selbstreflexive  Art und Weise, vor allem aber die kritische Selbsteinschätzung der Norweger ihr Land und ihre Nationalität zu feiern. Ein lesenswertes Interview mit dem Sozialanthropologen Thomas Hylland Eriksen zu diesem Thema kann man hier lesen (leider nur auf Norwegisch).

Trotz aller Kritik ist und bleibt dieser Tag ein Tag der Freude für die Menschen in Norwegen und seine Freunde. Und in diesem Sinne:  Gratulerer hjerteligst med dagen, Norge!

(Frieke)